Ernährungstherapie

Ernährungstherapie bei Mangelernährung

Wenn Sie weniger Energie und/oder Nährstoffe aufnehmen können, als Sie benötigen, entwickelt sich eine Mangelernährung. Ein Hinweis darauf ist häufig ein ungewollter und unkontrollierter Abbau von Körpersubstanz. Kriterien dafür sind z.B. ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mehr als 5 % des Körpergewichts in drei Monaten (bzw. von mehr als 10 % in den vergangenen 6 Monaten) Opens internal link in current window(Woran erkenne ich, ob ich mangelernährt bin?).

Liegt bei Ihnen eine Mangelernährung vor, sollten Sie sich so früh wie möglich an Ihren Arzt oder eine erfahrene und qualifizierte Ernährungsfachkraft Opens internal link in current window(Wo bekomme ich Hilfe?) wenden.

Denn: Ernährungsberatung ist umso hilfreicher und effektiver, je früher Sie damit beginnen.

Die Ernährungstherapie

In der Ernährungstherapie entwickelt die Opens internal link in current windowErnährungsfachkraft gemeinsam mit Ihnen ein Konzept, wie Sie dem Gewichtsverlust entgegenwirken können. Sie kennt viele Kniffe und Möglichkeiten, und kann Sie bei der Gestaltung Ihrer Mahlzeiten bzw. bei Problemen mit dem Essen (zum Beispiel Lebensmittelunverträglichkeiten wie Lactoseintoleranz, Fettverwertungsstörungen) unterstützen. (Öffnet internen Link im aktuellen FensterWoran erkenne ich, ob ich mangelernährt bin?)

Das Vorgehen dabei lässt sich in mehrere Stufen einteilen, ja nachdem was und wie viel Sie essen mögen oder können. Ziel ist auf jeden Fall, Sie und Ihren Körper mit ausreichend Energie und allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

Die verschiedene Stufen / Möglichkeiten der Ernährungstherapie wollen wir Ihnen in diesem Abschnitt näher vorstellen. Sie reichen von  der bewussten Auswahl normaler Lebensmittel über den Einsatz von Trinknahrung bis hin zu einer Ernährung über eine Sonde oder die Blutbahn. Selbstverständlich ist dies kein starres System. Im Vordergrund steht immer was für Sie stimmig ist und was Ihnen gut tut. Ebenso können und sollen nach Möglichkeit die einzelnen Stufen kombiniert werden bzw. fließend ineinander übergreifen.

Das Maß für den Erfolg der Ernährungstherapie ist Ihr Wohlbefinden und der Gewichtsverlauf. Üblicherweise sollte das Gewicht einmal pro Woche ermittelt werden. 

Die Stufen im Einzelnen

Das Vorgehen bei der Ernährungsberatung lässt sich in mehrere Stufen einteilen, je nachdem was und wie viel Sie essen mögen oder können. Ziel ist auf jeden Fall, Sie und Ihren Körper mit ausrechend Energie und allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. 

Stufe 1: Anpassen des üblichen Speiseplans mit normalen Lebensmitteln an die besondere Situation

Auf Grundlage Ihrer individuellen Essvorlieben, wird ein Speiseplan entwickelt, der Lebensmittel enthält, die viel Energie (Kalorien) enthalten. Am leichtesten geht das mit fettreichen Lebensmitteln.

Zum Beispiel: Milchprodukte in Vollfett- (3,5%) oder Sahnestufe (10%), Käse mit min. 45 % Fett i. Tr., Milchshakes, Crèmeeis, sahnehaltige Süßspeisen, Fettfische wie Hering, Lachs, Makrele, Streichwurst, Aufschnitt, Schmalz, Nüsse, Samen, Kerne, Mandelmus, Erdnusscreme, Butter, Margarine, Öl, Sahne, Crème Fraîche, Mayonnaise, Honig, Zucker, Kuchen, Gebäck (Blätter-, Rühr-, Mürbeteig), Kekse, Schokolade.

Haben Sie wenig Appetit oder sind schnell satt? Viele kleine über den Tag verteilte energiereiche Snacks sind oft hilfreich.
Dazu zählen: Käsewürfel, Studentenfutter, Nüsse, Sportlerenergieriegel, Trockenfrüchte, Käsegebäck, - cracker, Butterkekse, Muffins, Milchshakes - angereichert mit z.B. Mandelmus, Erdnussbutter, Sahne, Eiscreme, Schmelzflocken.

Auch die für Sie stimmige Mahlzeitengröße, -zusammenstellung und -häufigkeit wird in der Ernährungsberatung besprochen. 

Stufe 2: Anreichern des Speiseplans mit Nahrungsergänzungsmitteln

Ist die Energie und Nährstoffversorgung mit üblichen Lebensmitteln nicht mehr ausreichend, gibt es Möglichkeiten diese anzureichern. Dabei können sowohl feste Speisen als auch Getränke „aufgepeppt“ werden.

Dafür stehen von verschiedenen Herstellern Kohlenhydrat- und Eiweißpulver, Fettemulsionen oder Pulver aus Nährstoffmischungen zur Verfügung. Lassen Sie sich von einer Ernährungsfachkraft oder Ihrem Arzt beraten, was für Sie das Passende ist. 

Stufe 3: Anreichern des Speiseplans mit Trinknahrung oder Ernährung ausschließlich mit Trinknahrung

Reicht eine Anpassung des Speiseplanes und eine Anreicherung der Speisen nicht aus, gibt es die Möglichkeit, vollbilanzierte Trinknahrung (oft „Astronautenkost“ genannt) zu ergänzen.

Diese gibt es von verschieden Herstellern in unterschiedlichen Zusammensetzungen, Geschmacksrichtungen und Darreichungsformen. Meist werden sie trinkfertig in kleinen Fläschchen von 200 ml angeboten. Es gibt aber auch Pulver zum Anrühren oder Crèmes zum Löffeln. Übliche Geschmacksrichtungen sind Vanille, Schokolade, Erdbeere aber auch Cappuccino oder Banane.

Trinknahrungen können pur oder verdünnt getrunken oder als Zutat verwendet werden.

Möglichkeiten zur Verwendung als Zutat sind:

  • Mischen mit Milch, Buttermilch, Wasser, Fruchtsaft
  • Unterrühren in Joghurt, Quark
  • Herstellen einer Kaltschale, Grütze, Götterspeise, Fruchtsauce, Fruchteis, Eiswürfeln
  • Verwendung als Flüssigkeit zum Backen (Rührkuchen, Muffins, Tortenguss…)

Tipp: Trinknahrungen schmecken leicht gekühlt meist am besten. Füllen Sie sich die Trinknahrung in schöne Becher oder Gläser, wenn Sie mehr das Gefühl haben möchten, ein herkömmliches Getränk zu sich zu nehmen.

Was die Zusammensetzung betrifft, so ist in der Regel ist eine sogenannte „Standardtrinknahrung“ (Kalorien- und/oder Eiweißreich) passend. Spezielle Organ- oder Stoffwechselsituationen können jedoch die Verwendung einer Spezialtrinknahrung erforderlich machen, z.B. Niereninsuffizienz oder eine Einschränkung der Verdauungsleistung durch Funktionsbeeinträchtigungen der Bauchspeicheldrüse oder des Dünndarms.

Lassen Sie sich von einer Opens internal link in current windowErnährungsfachkraft oder Ihrem Arzt beraten, was für Sie das Passende ist.

Über die Erstattungsfähigkeit der Trinknahrungen informieren Sie sich bitte Opens internal link in current windowhier.

Stufe 4: Ergänzende oder ausschließliche Ernährung über eine Sonde („enterale Ernährung“)

Bei Tumoren bzw. Engstellen im oberen Verdauungstrakt oder Beeinträchtigungen, die das Schlucken von Nahrung stark einschränken oder unmöglich machen, wird Ihr Arzt mit Ihnen über die Anlage einer Sonde sprechen. Das ist ein dünner Schlauch, der direkt in Ihren Magen oder Dünndarm gelegt wird und über einen äußeren „Anschluss“ verfügt. Über diesen Anschluss wird Sondennahrung (gleicht in ihrer Konsistenz und Zusammensetzung der Trinknahrung) und ggf. zusätzliche Flüssigkeit (Wasser, Tee) zugeführt.

Sondennahrung wird in der Regel in Beuteln oder Flaschen zu 500 ml verabreicht. Die Menge bei einer ausschließlichen Ernährung wird individuell in Abhängigkeit von Ihrem Gewicht und der Zusammensetzung der Nahrung festgelegt.

Falls Sie noch Nahrung / Flüssigkeiten oral zu sich nehmen können und dürfen, kann eine „ergänzende“ Ernährung über die Sonde ausreichend sein. Das bedeutet, dass nur eine gewisse Anzahl der Kalorien über die Sondennahrung zugeführt wird. Um zu berechnen, in welcher Höhe dies nötig ist, sollte eine Ernährungsfachkraft mit Ihnen besprechen, in welchem Ausmaß Sie tatsächlich in der Lage sind, über herkömmliche Lebensmittel und ggf. Trinknahrung Energie zu sich zu nehmen.

Sondennahrung wird analog zur Trinknahrung in „Standard-“ und „Spezialnahrung“ unterteilt (vgl. Stufe 3).

Stufe 5: Ergänzende oder ausschließliche Ernährung mittels Infusion („Parenterale Ernährung“)

Manche Situationen machen die Aufnahme von Nahrung über den Verdauungstrakt schwierig oder unmöglich. Operative Eingriffe, Engstellen im Verdauungstrakt, massive Einschränkungen der Verdauungsleistung oder anhaltender Durchfall und/oder Erbrechen tragen unter anderem dazu bei, dass Sie nicht mehr genügend aufnehmen können oder dürfen. In diesen Fällen wird der Arzt einen „Port“ (dauerhafter Zugang direkt in den Blutkreislauf, der unter die Haut eingesetzt wird) legen, über den Sie dann mit Flüssigkeit und Energie versorgt werden können. Häufig ist aufgrund der Chemotherapie sogar bereits ein Port vorhanden, der für die Ernährungsinfusionen genutzt werden kann. Die Infusionen (eine milchige Flüssigkeit) enthalten alle benötigten Haupt- und Mikronährstoffe, die direkt in Ihre Blutbahn gelangen und so den Magen-Darmtrakt umgehen.

Die Infusionen gibt es von diversen Herstellern als fertig konfektionierte Mischungen („All in one Systeme“, „3 Kammer Beutel“) oder werden individuell für Sie unter streng sterilen Bedingungen hergestellt („Compounding“). Beim Compounding können spezielle Anforderungen an die Zusammensetzung bzw. Flüssigkeitsvorgaben besser berücksichtigt werden.

Falls Sie können und dürfen, ist die zusätzliche Aufnahme von herkömmlichen Lebensmitteln oder Trinknahrung möglich.

Sowohl eine enterale als auch parenterale Ernährung kann (ergänzend oder ausschließlich) zu Hause durchgeführt werden. Dies geschieht in der Regel über Nacht, so dass Sie tagsüber weniger eingeschränkt und mobiler sind. Es gibt aber auch Rucksacksysteme, die bei einer Ernährung über Tag für mehr Mobilität sorgen.

Es gibt spezielle Dienstleister (Home Care-Anbieter) die Sie in so einem Fall beraten, mit den benötigten Materialien beliefern und sich um die Formalitäten bei Ihrem Arzt und Ihrer Kasse kümmern.

Auch wenn die enterale und parenterale Ernährung eine ungewohnte bzw. „unnatürliche“ Art der Ernährung darstellen mag, so kann sie in vielen Situationen die einzige Möglichkeit sein, die Ihnen ausreichend Kraft und Energie spendet und Sie vor einem (weiteren) Gewichtsverlust bewahrt. Häufig ist sie auch nur vorübergehend nötig, z.B. während der Chemotherapie oder nach einer Operation, bis Sie wieder alleine ausreichend essen können.

Wenn Sie es alleine nicht schaffen können, setzen Sie sich nicht unter Druck, sondern sprechen Sie mit Ihrem Arzt / Ihrer Ernährungsfachkraft über die ernährungstherapeutischen Möglichkeiten, die für Sie in Frage kommen. Sprechen Sie dabei in Ruhe über etwaige Vorbehalte aber auch Vorteile dieser speziellen Ernährungsformen und nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen die Ernährungstherapeutika bieten.