Krebsdiäten

Was ist von Krebsdiäten zu halten?

In den Medien und im Buchhandel werden immer wieder sog. „Krebsdiäten“ ausgelobt, die angeblich eine heilende Wirkung besitzen. Es gibt auch etliche Kliniken und Praxen mit alternativmedizinischen Angeboten, die mit solchen Diäten werben. Damit verbunden ist oft der Verkauf von Produkten (spezielle Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel), um diese „Krebsdiäten“ durchzuführen bzw. zu unterstützen. Typischerweise wird meist behauptet,  die Wirkungen seien nachgewiesen und  stammen von Wissenschaftlern. Bezeichnend ist auch, dass bei hohen „Erfolgs-„ bzw. „Heilungsraten“ im Einzelfall ein solches Ergebnis nicht garantiert werden kann. Soweit die verführerischen Werbeaussagen!

Um die Bewertung gleich vorwegzunehmen: keine dieser Krebsdiäten kann halten, was sie verspricht. Keine Diät, wie immer sie auch zusammengesetzt ist und wie blumig sie beschrieben wird, kann eine Krebserkrankung heilen. Mit dieser Einschätzung sind sich alle Krebs- und Ernährungsexperten einig. Es gibt für diese heilversprechenden  Diäten  keine aussagekräftigen Studien bei Krebspatienten, die deren Wirksamkeit überprüft und nachgewiesen haben. Beliebt ist auch, aus Einzelergebnissen der Krebsforschung, z.B. an Mäusen oder in Zellkulturen, weitreichende Schlüsse für den Menschen zu ziehen. Das ist ebenso unsinnig wie unseriös. 

Stattdessen muss darauf hingewiesen werden, dass einige der angepriesenen Krebsdiäten sogar gefährlich sind, da sie sehr einseitig sind und dem Anwender viele wertvolle Nährstoffe vorenthalten. Einige Krebsdiäten enthalten sogar so wenig Kalorien und Nährstoffe, dass eine Mangelernährung droht bzw. gefördert wird. Daher kann von solchen Krebsdiäten nur abgeraten werden. 

Die meisten Krebsdiäten stammen übrigens noch aus einer Zeit, als die Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs sehr eingeschränkt waren, sodass solche Diäten mehr aus Verzweiflung als mit rationaler Begründung angewandt wurden. Im Folgenden werden einige auch heute noch populäre Krebsdiäten kurz dargestellt.

Krebskur total nach Breuss

Diese Krebsdiät nach dem österreichischen Heilpraktiker Rudolf Breuss (1899-1990) schreibt vor, 42 Tage lang nur bestimmte Gemüsesäfte und Tees zu trinken. Auf andere Lebensmittel einschließlich Eiweiß ist dabei zu verzichten. Damit handelt es sich um eine sehr einseitige Fastenkur, die einer Mangelernährung entspricht und vor allem für Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung gefährlich sein kann. Eine Wirkung ist nicht zu erwarten, stattdessen ist wegen der Risiken davon abzuraten.

Die Gerson-Diät

Diese Diät geht auf den deutschen Arzt Max Gerson (1881 – 1959) zurück, der eine streng vegetarische Kost ohne Fett und Salz mit möglichst frisch gepressten Obst- und Gemüsesäften empfiehlt, um das angeblich gestörte Gleichgewicht zwischen Natrium und Kalium wieder herzustellen. Dabei sind aber auch einige pflanzliche Lebensmittel wie Avocados, Beeren, Gurken, Sojabohnen und andere, besonders aber auch Kaffee und Tee, verboten. Zusätzlich werden Kaffee-Rizinus-Einläufe angeraten. Von dieser Diät ist keine Wirkung zu erwarten, ganz im Gegenteil, es besteht die Gefahr einer Mangelernährung!

Die Krebsdiät nach Budwig

Diese Krebsdiät stammt von der Apothekerin und Chemikerin Dr. Johanna Budwig (1908-2003). Sie erklärt Krebs als Folge eines Mangels an mehrfach ungesättigten Fettsäuren („PUFAs“) und empfiehlt daher eine fettreiche Diät mit vor allem Leinöl, welches reich an Omega-3-Fettsäuren ist, und Quark als Eiweißquelle. Daneben sollen die Patienten reichlich Obst und Gemüse verzehren und auf Fleisch verzichten. Diese Diät ist einseitig und es fehlt jeder Nachweis einer Wirkung. Sie kann daher nicht empfohlen werden.

Die Krebsdiät nach Coy

Diese relativ neue und stark beworbene Krebsdiät des deutschen Biologen Dr. Johannes Coy geht davon aus, dass Krebszellen ihren hohen Energiebedarf durch die Verbrennung von Zucker decken. Es wird behauptet, durch Verzicht auf Zucker und Kohlenhydrate könne man das Krebswachstum hemmen. Neben der Begrenzung der Kohlenhydratzufuhr werden zusätzlich Tocotrienol, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren, mittelkettige Fette und Milchsäure empfohlen. Hierzu ist kurz anzumerken, dass der Körper Kohlenhydrate aus Eiweiß selbst herstellen kann und dass bisher keine der schon lange angekündigten Studien beim Menschen veröffentlicht ist. Auch hier fehlt jeglicher Nachweis einer Wirkung beim Menschen. Diese Diät kann daher nicht empfohlen werden.

Ketogene Diät

Seit einiger Zeit wird für Menschen mit Krebserkrankungen auch die sogenannte „ketogene Diät“ angeboten. Dabei wird der Verzehr von Kohlenhydraten sehr stark eingeschränkt, Fette und Eiweiß sind aber nach Belieben erlaubt. Als Begründung wird genannt, dass Tumorzellen vor allem Zucker verbrennen und bei fehlenden Kohlenhydraten im Essen daher in ihrem Wachstum gehemmt sind.

Bisher gibt es keine ausreichenden Belege für die Wirkung und Sicherheit dieser Diät. Die wenigen Untersuchungen beim Menschen dazu sind nicht aussagefähig. Die Durchführung dieser Diät führt oft zu einer ungewollten Gewichtsabnahme. Daher kann man die ketogene oder kohlenhydratarme Diät derzeit für Menschen mit Krebserkrankungen nicht empfehlen.

Weitere Krebsdiäten

Daneben werden weitere dubiose Krebsdiäten beworben, bei denen bestimmte Lebensmittel oder Inhaltsstoffe verboten werden, weil sie angeblich das Wachstum des Tumors fördern. So werden beispielsweise oft Schweinefleisch und Zucker verboten. Auch von Kartoffeln und Tomaten wird vielfach abgeraten, weil sie angeblich giftige Stoffe enthalten. Diese Aussagen entbehren aber jeder Grundlage.

Bei anderen Krebsdiäten werden bestimmte Lebensmittel und pflanzliche Produkte beworben (natürlich begleitet von Kaufangeboten). Beliebt sind dabei milchsäurehaltige Lebensmittel (oft mit Laktobazillen fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir oder auch Sauerkraut), Nahrungsergänzungsmittel aus bestimmten Extrakten z.B. von Curry und exotischen Pilzen (Shiitake) und vieles andere mehr. Beliebt ist auch der übermäßige Verzehr von Brokkoli, Cranberries und Roter Bete wegen angeblich tumorhemmender Inhaltsstoffe. Auch hiervon ist abzuraten.

Trotz einzelner wissenschaftlicher Hinweise für solche Wirkungen (meist aus Studien mit Mäusen oder in Zellkulturen), kann daraus keinesfalls eine Wirkung beim Menschen abgeleitet werden, so schön das wäre. Leider zeigt die Erfahrung, dass viele interessante Effekte in Tierversuchen beim Menschen nicht bestätigt werden konnten.